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Kerwe |
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"Narrina II."
schwingt das Zepter
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Als
käme sie direkt vom Coiffeur, präsentierte sich Narrina II.
mit perfekter Frisur. Der weiße Rollkragenpulli stand ihr
hervorragend, der schwarze Rock schien wie vom Modeberater
ausgesucht, weil er hervorragend mit dem pechschwarzen
Haupthaar korrespondierte. Die schicken weißen Stiefel, die
ließ die Kerweschlumpel lässig aus dem Bollerwagen
heraushängen. Auch wenn sie bei genauer Betrachtung ihr
Beinkleid gar falsch herum angezogen hatte.
Narrina II. war aber ganz bestimmt nicht mit dem vielzitierten
"linken" und damit falschen Fuß zuerst aufgestanden. Einen
wolkenlosen Himmel hatte sie zu ihrer Taufe mitgebracht und
jede Menge Mitglieder des Plankstadter Carneval Clubs (PCC),
die einmal mehr dafür Sorge trugen, dass die Kerweeröffnung
vor dem Gemeindezentrum ihren würdigen Rahmen fand.
Machte die Kerweschlumpel zu Anfang noch einen leicht
teilnahmslos anmutenden Eindruck, stand sie kurze Zeit später
im Mittelpunkt. Umrahmt von den PCC-Gardemädchen genoss sie
sichtlich die Aufmerksamkeit aller und ließ sich vom
PCC-Vorsitzenden Wolfgang Eichhorn gerne mit einem Schnäpschen
taufen und inthronisieren.
Auf Mitstreiter, auf weitere Hoheiten musste Narrina II. auch
in diesem Jahr verzichten. Die Gastronomen hatten es wieder
nicht geschafft, eine Kerweschlumpel zu kreieren. Von einem
intimen Kreis sprach Eichhorn in seiner Kerweansprache, freute
sich aber auch über die Tatsache, dass im Vergleich zum
vergangenen Jahr mehr Gäste den Weg zum Gemeindezentrum
gefunden hatten. Auch die Musik kam am Samstagnachmittag aus
der Konserve. Eichhorns Vorschlag, im kommenden Jahr den
Kontakt zu einer Live-Formation zu suchen, werden die meisten
PCC-Mitglieder sicherlich zugestimmt haben.
Horst Kolb vertrat bei der Kerweeröffnung Bürgermeister Jürgen
Schmitt und erinnerte in seiner Begrüßung an die lange
Kerwetradition innerhalb der Gemeinde, die bereits Anfang des
19. Jahrhunderts auflebte. Seitdem werde am dritten Sonntag im
Oktober Kerwe gefeiert. Den Mitgliedern des PCC dankte er in
erster Linie für die Aufrechterhaltung dieses Brauchs.
Verändert habe sich über die vielen Jahre hinweg Vieles, die
Kerweschlumpel allerdings habe weiterhin Bestand, wenn Horst
Kolb auch seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, dass künftig
wieder mehrere Hoheiten die Rathauswand würden zieren können.
"Der PCC kümmert sich mit Unterstützung des Handwerker- und
Gewerbevereins um den Fortbestand einer Veranstaltung wie der
heutigen. Dafür möchte ich an dieser Stelle ein herzliches
Dankeschön sagen", schloss sich Dieter Böhm als Vorsitzender
der Interessengemeinschaft Plankstadter Vereine den Worten des
Bürgermeisterstellvertreters an. Und er sei stolz, dass die
beiden Kerwebräuche, die Kerweschlumpel, sowie der Gänsemarsch
am Kerwemontag, durch einen Verein getragen, in der Gemeinde
weiter gelebt würden, wenn auch in reduzierter Form. "Sind es
doch die Vereine, die auch andere Veranstaltungen,
beispielsweise den Sommertagszug, den Backenbläserumzug und
den Martinszug am Leben erhalten. Wir alle hoffen, dass es
noch lange Menschen gibt, die im Ehrenamt diese zur festen
Einrichtung gewordenen Veranstaltungen zu unserer aller Freude
weiterführen", betonte Böhm.
"Die Sonne lacht, so soll es sein, es grüßt der Handwerker-
und Gewerbeverein", vermeldete dessen Vorsitzender Christoph
Zippel und wenn es auch keine Livemusik gab, so gab es doch
reichlich Freibier für die PCC-Mitglieder und alle Gäste.
Beim obligatorischen Fassbieranstich machte Horst Kolb keine
schlechte Figur und das Bier von Welde-Gebietsleiter Jens
Kietzmann war schnell an die Frau und an den Mann gebracht.
Derweil freute sich Narrina II. auf ihren großen Moment und
für jedermann sichtbar schmückte sie alsbald die
Rathausfassade.
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Nach vier temperamentvollen Tagen wird die Kerweschlumpel
verbrannt
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Die
Hoffnung auf Wiederkehr tröstet
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Mild war der
Abend, wie überhaupt die Regentschaft von Narrina II. von
Planka von der Sonne überstrahlt wurde. Erst mit ihrem
Ende setzte der Regen ein und sanken die Temperaturen
deutlich ab. Der Kerweschlumpel mag es egal gewesen sein,
nicht nur weil ihre Zeit zu Ende ist, sondern weil ihr zum
selben ohnehin nochmals kräftig eingeheizt wurde, sie in
Flammen aufging.
Wolfgang Eichhorn, der Vorsitzende des Plankstadter
Carneval Clubs, der sich federführend dieses Stücks
Brauchtums angenommen hat, der gemeinsam mit dem
Handwerker- und Gewerbeverein dafür sorgen will, dass die
Tradition der Kerwe im Ort noch lange erhalten bleibt, war
mit dem Zuspruch am Kerwedienstag sehr zufrieden.
Viele Erwachsene seien mit ihren Kindern nochmals auf den
Festplatz gekommen, um ein letztes Mal die Fahrt auf der
Reitschul, mit dem Autoscooter oder auf der Riesenrutsche
zu genießen. Wie gesagt, das Wetter war prächtig und lud
geradezu zu einem Aufenthalt im Freien
ein. Und da die Schausteller alles perfekt organisiert
hatten, kamen die Kinder auch ein ums andere Mal in den
Genuss von Freifahrten, nämlich dann, wenn die Schlumpel
mitfuhr.
So herrschte prächtige Stimmung, als sich eine große Schar
auf den Weg zum benachbarten Kleinspielfeld, dem "Stadion
Rote Erde" machte, um gemeinsam dem Flammengang von
Narrina II. beizuwohnen. Wie gewohnt sorgte die
Jugendfeuerwehr dabei im Rahmen einer Übung für die
notwendige Sicherheit.
Eichhorn hieß die Gäste willkommen, dankte allen
Beteiligten, die mit dafür sorgten, dass die Tradition der
Kerwe im Ort hochgehalten wird, insbesondere Dieter Böhm
von der Interessengemeinschaft der Vereine und Christoph
Zippel vom Handwerker- und Gewerbeverein, und nahm mit
gewohnt herzzerreißenden Worten Abschied von der Schlumpel
und damit von der Kerwe. Doch wie jedes Jahr, am Ende
siegte der Optimismus, "die Schlumpel liegt nun hier im
Sterwe, doch eins ist sicher, auch im nächsten Jahr ist
wieder Kerwe", machte
PCC-Vorsitzender Eichhorn den Gästen schon jetzt Lust auf
die kommende Kerwe im nächsten Jahr.
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